Unser Land – Die Sendung vom 11. Oktober 2019
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Unser Land – Die Sendung vom 11. Oktober 2019


Grüß Gott bei UNSER LAND. Hie und da steht noch der Mais
auf den Feldern, das Getreide dagegen
ist längst abgeerntet und lagert sicher
in Scheunen und Silos. Wobei, ganz so sicher
ist es dort auch nicht. Darüber berichten wir heute.
Und über folgende Themen: Nicht aus dem Wald,
sondern aus der Halle: Wie schnell wachsen Zuchtpilze? Nicht für Kühe,
sondern für Meerschweinchen: Heimtierfutter vom Bauernhof,
ist das eine Marktlücke? Auch wenn das Getreide
schon eingefahren ist, es kann noch Schaden nehmen. Möglicherweise sind
unerwünschte Gäste mit eingelagert. Das merken Landwirte meistens erst,
wenn es zu spät ist. Aber dagegen könnte es schon bald
eine ungewöhnliche Lösung geben. Wenn ein Landwirt erntet,
sammelt er nicht nur Getreide ein, sondern auch Tausende Insekten. Im schlimmsten Fall
auch den Kornkäfer. Seine Larve
frisst nicht nur die Körner. Seine Ausscheidungen führen dazu,
dass es feucht wird. Und das lässt dann
das Getreide im Lager schimmeln. Und verschimmeltes Getreide
ist für Mensch und Tier ungenießbar. Damit es in seinem Getreide-Lager
erst gar nicht so weit kommt, nimmt Bernd Moritz
an einem Forschungsprojekt teil. Zwei Wissenschaftlerinnen
bringen heute einen Prototyp: Ein ganz spezielles
Früherkennungssystem für Schädlinge. Es ist ganz schön anstrengend,
da hochzukommen. Der Futtermittelhersteller
und die Forscherinnen planen den großen Lauschangriff: Sie wollen die 450 Tonnen Gerste
abhören, mit speziellen Mikrofonen. Diese Röhre hat den Sinn,
dass wir Schall vom Getreide aus, von den Insekten,
die im Getreide sitzen … Wenn die sich bewegen, wenn
die fressen, produzieren die Schall. Sie trampeln
und sie schmatzen sozusagen. Diesen Schall bündeln wir
mit den Metallröhren. D.h., wir haben
nicht nur das kleine Mikrofon, das den Schall
direkt um das Mikrofon aufnimmt, sondern wir haben die große Röhre.
Die ist 3 m lang. Diese Röhre dient für uns
als Verstärker. Aber nicht nur das: Der sog. Beetle Soundtube
ist auch eine Käferfalle. Die Löcher in den Röhren
sind dazu da, dass die Insekten, wenn sie durchs Getreide
sich drücken, durch die Löcher reinfallen
in einen Auffangbehälter, den wir auch gleich reinpacken
und dann hören wir sie viel besser. Wer da drin ist,
macht einen fürchterlichen Lärm. Sieht etwas nach Marke Eigenbau aus. Das ist völlig Marke Eigenbau:
Das ist ein ehemaliger Kakaostreuer. Das Mikrofon ist das Herzstück
des Soundtubes. Es ist ein
sehr empfindliches Mikrofon, das die ganz leisen Käfergeräusche
gut aufnehmen kann. Kein normales Mikrofon,
mit dem man Gesang aufnehmen würde. Das ist schon was sehr Spezielles. Die Wissenschaftlerinnen
kleben Auffangbehälter und Mikrofon an eine Schnur
und lassen beides in die Röhre hinab. Als Letztes befestigen sie
eine Art Nest an der Schnur. Für die,
die den Kornkäfer stoppen sollen. Was ist denn das? – Das ist unser
Ausbringbehälter für die Nützlinge. Wenn wir Schädlinge
im Getreide finden, können wir Nützlinge losschicken, wenn wir die Schädlinge
ganz früh erkennen. Damit diese Nützlinge
nicht den weiten Weg von der Getreide-Oberfläche
runter ins Getreide machen müssen, machen wir es ihnen einfacher und
bringen sie direkt in die Röhre aus. Diese Papierstreifen sind dazu da, dass die Insekten
vom Ausbringbehälter direkt zur Röhrenwand
klettern können. Und durch die Löcher nach draußen?
– Genau so. Die Nützlinge,
das sind reiskorngroße Wespenarten. Sie legen Eier in die Käferlarven
und töten sie so. Es kommt also gar nicht mehr dazu,
dass ein Käfer schlüpft. Die kleinen Wespen landen am Ende
nicht in den Nahrungsmitteln, weil das Getreide
vor der Weiterverarbeitung noch gereinigt wird. V.a. für Biobauern
wie Nicolas Kusenberg ist es ein riesiger Fortschritt, Käfer im Getreide früh erkennen
und biologisch bekämpfen zu können, statt wie bisher chemisch. Es ist sehr schön, so was zu haben,
so eine Früherkennung, weil die meisten Betriebe können
ihre Käferprobleme nicht leugnen. Wir gehen damit sehr offen um,
weil es eine Problematik ist, gerade im letzten Jahr
durch die hohen Temperaturen, gerade über den Winter, die nicht mehr kalten Perioden, die den Käfern Möglichkeiten
der Vermehrung bieten. Deshalb hat der Landwirt
schon im letzten Jahr als einer der Ersten in Brandenburg
bei dem Projekt mitgemacht. Damals war das Getreidesilo voll.
Aber nicht nur mit Getreide. Zwischen den Körnern
hatten sich Käfer rasant vermehrt. Der Soundtube,
der immer noch drinhängt, und auch dieses Jahr
zum Einsatz kommen wird, hat über die Mikrofone und
das entsprechende Computerprogramm letztes Jahr sofort Alarm geschlagen. Die Aufnahmen aus dem Silo
haben die Forscher gespeichert. So hat sich das damals angehört. * schabendes Geräusch * Das ist eine Aufnahme
aus dem letzten Jahr. Dann sitzt diese kleine Larve
in dem Korn und schabt immer Stücke
von dem Korn weg, dem Mehlkörper. Wenn sie aufgefressen hat,
ist sie fertig, verpuppt sich, schlüpft irgendwann
als fertiger Käfer raus und kommt dann
aus dem Korn geschlüpft. Der Kornkäfer und ähnliche Schädlinge werden mit steigenden Temperaturen
zu einem immer größeren Problem. Dabei ist die Getreideernte sowieso
schon ein unsicheres Geschäft. Deswegen soll der Soundtube nach
der Testphase auf den Markt kommen. Noch sind sie unterwegs,
die Schwammerlsammler. Aber in ein paar Wochen
ist die Hauptsaison vorbei. Im Supermarkt gibt’s Champignons
das ganze Jahr über. Und wo kommen die her? Z.B. aus Eßleben im unterfränkischen
Landkreis Schweinfurt. Sie wachsen im Verborgenen,
lieben Dunkelheit, Feuchte, Pflanzenmaterial, das sich zersetzt:
Champignons. Die weißen oder braunen Fruchtkörper
eines im Boden lebenden Pilzgeflechts sind die beliebtesten
Speisepilze der Welt. Auch hier drin
verbergen sich Champignons. Das Pilzgeflecht, das Mycelium,
ist in ein Substrat gemischt, das aus Niedersachsen
angeliefert wird. Dort hat das Unternehmen “Pilzland”
mit 10 Standorten seinen Hauptsitz. Und dort gibt es Profis,
die das Substrat zusammenmischen. Wir produzieren
den Champignon-Kompost aus Stroh, Pferdemist,
Hähnchenmist, ein wenig Gips, kompostieren ihn dann,
dann beimpfen wir Champignonbrut, lassen ihn wieder gut durchwachsen
und transportieren ihn dann hierher. Daraus wachsen dann
unsere schönen Champignons. Nur drei Wochen dauert es jetzt noch
bis zum Beginn der Ernte. Das mit dem Pilzmycel
beimpfte Substrat wird zusammen mit einer Deckschicht
aus Torferde auf die Böden gefüllt. Diese Deckschicht hält
die Feuchtigkeit im Kompost. Nach der Befüllung wird
die klimatisierte Halle verschlossen, das Pilzgeflecht
kann ungestört wachsen. Woche zwei:
Es riecht schon nach Champignons. Zu sehen sind noch keine. Doch das Substrat hat sich vermehrt:
überall weißes Pilzgeflecht. Klima und Bewässerung
sind computergesteuert. 19°, hohe Luftfeuchtigkeit:
beste Wuchsbedingungen für das Mycel. Das ist das Frühjahr. Dann haben wir den Sommer simuliert: Wir haben’s schön warm gemacht,
ihm genügend Wasser gegeben. Das Mycelium konnte
perfekt durchwachsen. Dann geben wir dem Mycelium
einen Kälteschock, das bedeutet für das Mycelium: “Jetzt muss ich
meinen Fruchtkörper bilden und kann dadurch
meine Champignons kultivieren.” Woche drei:
erste winzige Champignons. Dass sie hier angebaut werden,
hat Gründe: Eine benachbarte Biogasanlage
liefert Wärme. Und: Die niedersächsische Firma
wollte einen Standort in Bayern. Wir sehen das so,
dass wir in erster Linie Wettbewerber aus Polen
und aus Holland haben. Aber der Verbraucher in Deutschland
will auch deutsche Ware, aber noch mehr regionale Ware. Champignons aus Bayern also,
aus Franken. Der Erfolg gibt Lücker recht. Die Pilze verkaufen sich schneller,
als sie nachwachsen. Geerntet wird von Hand,
direkt in die Verkaufsschale. So werden die druckempfindlichen
Pilze so wenig wie möglich berührt. Eine Herausforderung
für den Zuchtbetrieb: In Deutschland sind bei Champignons keine Pflanzenschutzmittel
zugelassen, die Kultur muss völlig
ohne Chemie auskommen. Nehmen da nicht Schädlinge überhand? Wenn wir gar nicht darauf
reagieren würden, dann wäre das so. Wir machen sehr kurze
Zucht- und Pflück-Zyklen. Das heißt, wir ernten
unsere Champignons hier in diesen Räumen
innerhalb von 14 Tagen, entleeren sie dann, reinigen sie
und befüllen sie dann wieder neu. Dadurch halten wir die Fremdpilze
und Fremdorganismen in Schach. Jetzt wird gepflückt,
alles läuft hier am Fließband. Auf 14.000 Quadratmetern Beetfläche werden pro Woche rund 100 Tonnen
Champignons geerntet. Das System ist patentiert,
die Pilzzucht in Eßleben gilt als modernste
und effizienteste in ganz Europa. Braune Champignons und weiße: Die 100 Mitarbeiter ernten hier
2 Sorten des Zweisporigen Egerlings. Industrielle Produktion. Aber: Gegenüber den
viel aromatischeren Wildpilzen aus dem Wald
haben Zuchtpilze auch Vorteile: Sie sind schadstofffrei,
können roh verzehrt werden, und es gibt sie das ganze Jahr über
in jedem Supermarkt. Zu einem Hof in Bayern gehören
im Schnitt etwa 62 Hektar Fläche. Aber es gibt auch viele Landwirte,
die haben nicht mal 10 Hektar. Das heißt in der Regel Nebenerwerb,
also zusätzlich in die Arbeit gehen. Eine Familie führt mit aber wenig
Fläche ein Familienunternehmen. Und das hat damit zu tun, dass es da nicht um Milchkühe
oder Schweine geht, sondern um Tiere,
die viel kleiner sind. Wer seinem Kind den Wunsch erfüllt,
so ein Streicheltier zu halten, der muss es auch vollwertig ernähren. Schließlich werden Meerschweinchen
oder Kaninchen nicht nur von ein paar Halmen satt. Anton Wiedemann hat da
eine neue Einkommensquelle entdeckt. Die ganze Familie
unterstützt seine Geschäftsidee und tüftelt daran,
was Nagetiere gerne mögen. Wir wollten für unsere Nager
was Besonderes. Wir haben immer schon
Meerschweinchen oder Hasen gehabt. Wir selber essen auch Snacks
oder knabbern gerne. Und wir wollten für unsere Tierchen
auch was, was gesund ist. Die Tierchen kriegen Karotten,
Rote Bete, Heu, Kräuter. Und wir versuchen es
in Form zu bringen, so zu gestalten,
dass es nicht nur dem Tier schmeckt, sondern auch den Halter anspricht. Das Tier kauft es nicht,
sondern der Halter. Und das muss irgendwas sein,
was sich einprägt. Also nutzen die Wiedemanns ihre
kleine Landwirtschaft im Donau-Ries und bauen Futterpflanzen
für Heimtiere an. Auf dem Feld hinter dem Hof
wächst Topinambur. Geerntet wird das Kraut,
die Wurzelknollen bleiben im Boden und treiben jedes Jahr
wieder neu aus. Eine pflegeleichte Feldfrucht. Topinambur ist für mich
die ideale Pflanze. Wir sind ein Biobetrieb,
und der braucht kein Spritzmittel, keinen Dünger,
der wächst hier vor sich hin. Nur drei Hektar Anbaufläche
gehören zum Hof. Auf ihrer alten Hofstelle
haben die Wiedemanns viel Platz für die Weiterverarbeitung
des gehäckselten Ernteguts. Den ehemaligen Schweinestall
haben sie umfunktioniert. In einem eigens dafür
eingerichteten Trockenraum kann das Topinambur-Kraut
gelagert werden, bevor es später als Futter
und Einstreu verkauft wird. Tochter Carina Wiedemann
ist gelernte Tierarzthelferin. Sie weiß,
was für Heimtiere gesund ist. An diese Getreideähren klebt sie mit
Stärkelösung getrocknete Karotten. Fertig sind die Knabberstäbchen
für Kaninchen. Unter Lehm
knetet Anton Wiedemann Weizenschrot. Früher hat er einmal
auf dem Bau gearbeitet, daher stammt diese Idee
für Nagersteine. Der Effekt von dem Ding ist, dass es
hart ist und dazu geeignet ist, die Nagezähne abzunagen,
abzunutzen, weil die lebenslänglich wachsen,
und das wird sehr hart. In alten Backformen
bringt er das Material in Form. Der Lehm mit dem Weizenschrot
muss noch trocknen. Verziert mit einer Ringelblume ist er
ein Leckerbissen für alle Nager. Weil seine Ideen für
das Heimtierfutter und dessen Absatz mit der Zeit
immer umfangreicher geworden sind, hat Anton Wiedemann
auch Mitarbeiter eingestellt. Holzteile und gepresste Kräuter
werden zu Puppen gefertigt. Fast zu schade,
um aufgeknabbert zu werden. Muss er
bei dieser Futtermittelherstellung auch gesetzliche Vorschriften
einhalten? In der Futtermittelverordnung
ist geregelt, wie man
welche Futtermittel machen darf. Da gibt es eine Positivliste, in der alle möglichen Futtermittel
aufgeführt sind, die man verwenden kann. Was ins Futter reinkommt,
muss er deklarieren. Gleich zwei Behörden schicken immer wieder
amtliche Kontrolleure auf den Hof. Einmal im Jahr kommt
das Veterinäramt und kontrolliert. Und zieht auch Proben,
die dann untersucht werden. In unregelmäßigen Abständen
kommt die Regierung von Oberbayern, die ist für das Tierfutter
zuständig. Um die Vermarktung
ihres Heimtierfutters kümmern sich Tochter Carina
und Sohn Valentin. Sie beliefern Zoofachgeschäfte,
nicht aber den Großhandel. Wir machen sehr viel
über Internet, Facebook, Instagram. Viel geht auch über Mundpropaganda. Oder über WhatsApp
einen Link verschicken und die Leute bitten,
dass sie es weiterschicken. Oder auf Wochenmärkte,
Bauernmärkte gehen und viele Flyer verteilen. Der Markt für Tierfutter
ist groß und heiß umkämpft. Wie kann da ein so kleiner Betrieb mit Leckerlis für Nager
überhaupt bestehen? Als Kleiner kann man nicht
das Gleiche wie die Großen machen und dann noch bestehen wollen. Unser Vorteil ist, dass wir Sachen
mit sehr viel Handarbeit machen. Das kann ein Großer nicht leisten. Wir müssen
im kleinen Bereich bleiben, solang wir solche Sachen machen,
und ich möchte solche Sachen machen. Es müssen also nicht nur Nutztiere
wie Schweine und Rinder sein, für die ein Bauer
Futter auf seinen Feldern anbaut. Auch Meerschweinchen und Kaninchen
brauchen artgerechte gesunde Nahrung. Ideen, Erfindungen und Innovationen gibt’s reichlich
in der Landwirtschaft. Auch Jakob Maier hat mal ganz
“normal” als Landwirt angefangen, und dann seine Passion entdeckt. Bei ihm dreht sich alles um:
Melken, Zitzen und um Gummi. Man könnte sagen,
ein Verrückter, ein Besessener. Oder auch ein Genie. Wir haben den Erfinder zu einem Rendezvous auf dem
grünen Teppich getroffen. Ich bin der Jakob Maier,
ich lebe in Türkheim im Unterallgäu. Ich bin Geschäftsführer gewesen der
Siliconform und der Bio-Melktechnik. Kühe zu melken ist für mich
eine Leidenschaft. Das heißt, generell das Melken
der Tiere zu verbessern. Mein Vater hatte ein Bauunternehmen und als Hobby hatte er
einen landwirtschaftlichen Betrieb. Da war mein Vater
einer der Pioniere, die Vorzugsmilch gemacht haben. Vor diesem Hintergrund
musste ja irgendwie einer dieses Hobby fortführen. Da hat man mich auserkoren. Das hat plötzlich in mir die Liebe
zur Landwirtschaft gebracht. Rein in die Geschichte,
mit Tieren arbeiten, Kühe melken. Das war für mich einfach
eine tolle Geschichte, weil man den Erfolg gesehen hat,
sofort. Du hast die Kuh gemolken,
die war leer. Und du hast was drin gehabt
im Kübel. Nachdem ich die Zimmererlehre
abgeschlossen hatte, habe ich eine landwirtschaftliche
Lehre machen sollen, können, müssen. Mein Vater hat gesagt: “Der braucht eine solide Ausbildung,
das geht nicht so.” Die habe ich dann auch absolviert,
damals in St. Ottilien. Und mit einem Praktikum,
später in der Lehre dann, in dem Klostergut Wessobrunn. Man war im Kloster sehr bedacht
darauf, die Kühe auszumelken. Weil diese Klosterbrüder wussten,
dass damit, wenn eine Kuh gut ausgemolken ist, Euter-Erkrankungen
entgegengewirkt wurde. Das Problem war, die Melkbecher sind
damals zu früh nach oben gerutscht, haben abgeschnürt, wir mussten hin
und mussten wieder drücken, damit die Melkbecher
wieder nach unten kamen. Das war natürlich eine Menge Arbeit,
das wollten wir nicht. Da ist mir eingefallen: Da könnte man eigentlich
eine Düse reinmachen aus Metall. Wir hatten eine Werkstatt, die war
gar nicht schlecht ausgerüstet. Nachts, als die Brüder beim Beten
waren, bin ich da reingeschlichen und hab die Drehbank angeschmissen. Nach etwa 20 Minuten war das
erledigt: Ich hatte 5 Düsen. Danach haben wir es eingebaut. Am nächsten Tag beim Melken
in der Früh ging das wieder los mit den Melkzeugen,
mit den meisten, bis auf eins. Ein Melkzeug fiel besonders auf,
das hat hervorragend ausgemolken. Und plötzlich kriegt die
der Bruder Adlerich in die Hand. Ich habe ja nichts gesagt. Dann sieht er plötzlich,
dass da Metalldüsen drin sind. Dann sagt der zu mir:
“Wo kommen die Metalldüsen her?” Er hat rumgeschaut. Und dann habe ich gebeichtet:
“Ich war’s.” Da wusste ich auf einmal:
Da musst du ran, da ist was drin. Und das war der Start
dieser ganzen Entwicklung. Nachdem ich meine Lehre beendet
hatte, hat mein Vater gesagt: “Jetzt übernimmst du den Betrieb,
jetzt geht’s los.” Dann habe ich den Betrieb
massiv vergrößert. Das ging so weit, dass ich eines
Tages 120 melkende Kühe hatte. Und 80 Rinder. Also einen Betrieb,
wie man ihn heute schon hat, den hatte ich damals schon. Und da brauchen Sie eine Frau,
die eine gewisse Leidenschaft hat. Sie kam ja auch
aus der Landwirtschaft. Sagen wir mal:
Er war sehr zielstrebig. Da bleibt natürlich
manch anderes auf der Strecke. Das musste dann ich ausbügeln,
wie es so üblich ist. Es ist ja
eine reine Rohmilch gewesen. Da ist der Arbeitsaufwand sehr hoch. Da wurden die Kühe
jedes Mal bei uns gewaschen, wenn sie zum Melkstand
getrieben wurden. Das kann man sich eigentlich
kaum vorstellen, was da für ein hygienischer Aufwand
betrieben worden ist. Und das ist,
was in mir noch heute drin ist. Die Hygiene spielt
eine ganz gewaltige Rolle bei mir
in der Lebensmittelerzeugung. Wir wussten damals durch
Untersuchungen bei der Vorzugsmilch: Wir haben beim Gummi Eintrag
von Schadstoffen in die Milch. Das war für mich damals interessant.
Du musst in die Silikonschiene rein. Später dann war mir bekannt, dass die Firma Wacker Chemie
in Burghausen so was herstellt. Ein gewisser Herr Kroberger
war einer der Pioniere. Er wollte ein Produkt,
was elastisch ist, was hautverträglich ist
und was möglichst lange hält. Er wollte einfach
einen guten Silikongummi. Und er wollte die Kühe
glücklich machen. Das hat er auch geschafft. Wir kannten ihn tatsächlich alle
als Zitzenmaier. Das war ein stehender Begriff. In Burghausen hat man
vom Zitzenmaier gesprochen, bei uns in Schwaben
sprachen sie Tuttenmaier. (Frau) Das war 1973. (Mann) Das weiß ich noch wie heute. Am 1. April weckt sie mich und sagt: “Da knallt’s irgendwo.”
Ich sag zu ihr: “Du knallst auch.” Ich bin aufgestanden und
hab zum Fenster rausgeschaut. Hinten am Jungviehstall sind
die Dachplatten rausgeflogen, so explosionsartig.
Dann hat’s pressiert. Dann natürlich
rein in die Klamotten. Meine Frau hat sofort
die Kinder gepackt, raus. Ich bin hinter und
ich habe nix mehr gesehen. Da war eine Rauchentwicklung,
das kann man sich nicht vorstellen. Ich habe nicht die Hand
vor den Augen gesehen. Man schaltet ganz automatisch,
das ist ein Ablauf wie programmiert. Ich hab gewartet, bis der Erste
kommt und gesagt, wo’s brennt. Dann bin ich
mit den Kindern zu meinen Eltern, wo jetzt der Betrieb steht. Ich hab die abgeliefert,
bin dann zurückgekommen und wollte wissen, wo mein Mann ist. Ich wusste, die Decke im Stall
war aufgehängt. Das ist gefährlich. Ich hab mich
zu einer Stalltüre getastet und konnte die Kühe rauslassen. Als ich rausgegangen bin,
ist hinter mir die Decke runter. Ich hätte keine zwei Sekunden
länger drin sein dürfen, sonst wäre ich
wahrscheinlich tot gewesen. Dann haben wir
unseren Scherbenhaufen gehabt. Für uns hat es nur eins gegeben: Zusammenhelfen und schauen,
dass wir weiterkommen. Einfach nicht rückwärts,
sondern vorwärts schauen. Das war unser Wichtigstes.
Was anderes hilft da nicht. (Mann) Und was
das größte Problem war: Dass ich um 500.000 Mark damals
unterversichert war. Dann haben wir gesagt:
Jetzt verkaufen wir die Hofstelle und ich investiere hier
bei meiner Frau. Wir hatten einen zweiten Betrieb,
das war der Glücksfall. Dann habe ich hier angebaut
und habe das selbst gemacht, ohne Mitarbeiter,
bloß mit einem Lehrling. Ich habe dann mehr
auf diese Entwicklungen gesetzt, die ich gehabt habe,
also weg von der Milchproduktion, hin zu dieser Produktion von
Zitzengummis und diese Dingen. Die haben dann
relativ gut eingeschlagen. So ist das weiterentwickelt worden
bis heute. Ich hatte damals
nicht nur Gummis gemacht, sondern ganze Melkeinheiten. Diese Melkeinheiten waren gepaart, ein Melkbecher mit dem Einsatz
und dem Schauglas dazu. Die konnten an bisherige Systeme
angeschlossen werden. Und damit kam der Bio-Milker. Mit diesem Namen wurde das
weltweit vermarktet. In allen Ländern der Erde. Da haben wir
250.000 Melkzeuge verkauft. Das waren eine Millionen Melkbecher,
das war ein Riesenerfolg. Wir haben 40 Leute
bei uns beschäftigt. Meine Töchter sind beide dann
in den Betrieb reingekommen und unterstützen uns
natürlich gewaltig. Wir haben ja bei uns
im Betrieb einen Schwiegersohn, der heute Direktor ist
von der ganzen Geschichte. Der hat eine große Affinität
zu Kamelen. Er will hier eine spezielle
Melkmaschine für Kamele haben. Da gibt es
eine ganze Reihe Neuentwicklungen, auch wieder mit Zitzengummis. Das stößt eine ganz neue Welle an, weil der Kamelmilch-Preis
ist relativ hoch. Das ist auch lukrativ zurzeit. Das wird mit bis zu 16 Dollar
pro Liter gehandelt. Jetzt versucht man natürlich,
ins Kamel-Geschäft einzusteigen. Das ist eigentlich
das Faszinierende: Dass die Ideen umgesetzt werden,
ohne große fremde Hilfe. Klar, mit der Chemie, also Sachen,
mit denen man sich nicht auskennt, kann man nicht selber machen. Aber dann besorgt man sich jemanden.
Und den motiviert man. Das kann ich nämlich gut,
die Leute motivieren. Und dann entstehen Lösungen,
die auch Bestand haben, nicht nur so Eintagsfliegen. Was uns interessiert,
wir sind Melkmaschinenhersteller. Wir benützen die Kamele hier,
um das zu entwickeln. Wenn Sie mal im Melken drin sind, dann spielt das keine Rolle mehr,
was das für eine Sorte ist. Es geht immer um Tiere und
es geht immer um deren Wohlbefinden. Und es geht darum,
dass man versucht, auf tierschonendste Art und Weise,
mit dem Willen des Tieres gepaart, Milch zu gewinnen. Das ist meine Hauptaufgabe gewesen. Jakob Maier aus Türkheim
war das auf unserem grünen Teppich. Übrigens: Ein Kamel kann
ca. 12-15 Liter Milch pro Tag geben. Ob die Kamelmelkmaschine
aus der Allgäuer Erfinderwerkstatt bald zum Exportschlager
nach Saudi-Arabien wird? Wir halten Sie auf dem Laufenden. Das war’s für heute. Ich freu mich, wenn Sie nächsten
Freitag um 19 Uhr wieder dabei sind. Untertitelung: BR 2019

One Comment

  • Wolfgang Retzer

    Wahnsinn – jetzt werden auch schon Käfer abgehört. Also die Tussi mit ihrem Geschwätz würde ich nicht abhören, da bekäme ich Ohrensausen.

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