Neue Bauern braucht das Land – Ophelia Nick im Interview mit Carsten Tesch
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Neue Bauern braucht das Land – Ophelia Nick im Interview mit Carsten Tesch


Es ist vielleicht ein bisschen missverständlich der Titel, weil grundsätzlich habe ich Hochachtung vor den meisten Landwirten.
Da gibt es auch die schwarzen Schafe usw. aber die meisten Landwirte sind sehr überzeugt von ihrem Tun und wollen das also wirklich gerne gut machen und haben auch ein hohes Wissen… und ein Stück weit sind die neuen Bauern, auch die neuen Gedanken, dass sie sich auch mal trauen oder den Mut haben, anders zu denken.
Das ist ein Stück weit auch eine Aufforderung von mir:
Setzt euch mal mit den Gedanken, die ja ein Großteil der Gesellschaft haben, setzt euch doch einfach mal damit auseinander
und lasst uns auch, ernsthaft übrigens, darüber diskutieren
und die Gesellschaft weiß es auch,
sie weiß nicht wie sie es ändern soll und deswegen kommen die Landwirte dann auch mit ihren Sprüchen da durch. Jeder weiß doch, dass wenn Tiere aufeinander losgehen, genauso wie bei Menschen,
dann ist das eine Aggression, weil man sich unwohl fühlt
und unwohl fühlt man sich, weil die Umgebung da nicht optimal ist. Ich bin natürlich geprägt durch die Hilfe, die mein Großvater in den 20er, 30er Jahren gekauft hat und die ich ja auch die betreue, und die ein Stück weit noch das Bild eines Bauernhofes haben,
deswegen habe ich dieses Bild in mir: Wie kann eine gute Landwirtschaft sein? Und da freue ich mich,
dass viele Menschen das auch wieder neu entdecken,
wie hier ja auch, aber auch, wir haben ja mal eine Tomatenverköstigung gemacht, mit 80 Tomatensorten, und das war …
also natürlich ein leckerer Wein und Brot und Käse und so ein bisschen…
aber das war so ein Geschmackserlebnis und das geht uns ja auch verloren,
wenn wir immer die gleiche holländische Tomate kaufen.
Wobei die auch sehr viel übrigens ändern, also das sieht man auch – die werden schmackhafter. Es ist so anonym geworden.
Wir gehen in den Großmarkt, gibt es ja die vielen großen, ja, ein Discounter oder sonst wie, und kaufen ein und machen, wer macht sich schon Gedanken, woher das Joghurt kommt oder wie das Müsli hergestellt wird oder wenn es noch verarbeitet wird, wie Fertigpizza,
also wer macht sich da Gedanken? Das ist eine extreme Entfremdung! Und dann erfährt man über Medien plötzlich
irgend einen Skandal und dann wirft man, glaube ich, alle Bauern in einen,
das ist ja alles schlimm und und dann ist so eine Unsicherheit und Wut gegenüber der Landwirtschaft. Und die spüren das und denken auf der anderen Seite, wir ernähren euch doch und wieso seid ihr immer so sauer mit uns. Es wird nicht gelehrt eine vielfältige Landwirtschaft, die klimaschonend ist, die artenschonend ist, es wird nicht, da gehen die Gelder nicht rein. Also das ist auch ein Riesenhebel.
Im Moment geht wirklich alles Richtung industrielle, lebensfeindliche Landwirtschaft.
Und das wieder in eine bäuerliche, lebensbejahende, schöne Landwirtschaft zu ändern, ist ein Stück weit, ja, eine Ausrichtung und wenn das, wenn wir das ausrichten, in der Wissenschaft in den Geldern, dann geht das sogar relativ zügig. Das wird sowieso kommen, die Frage ist, wie schnell kommt es tatsächlich?
Wie schnell, wie mutig ist die Gesellschaft, diese Wege zu gehen? Die Landwirtschaft hat sich sehr schnell in die Richtung bewegt, die kann sich auch, wenn die Gesellschaft es möchte,
die Gesellschaft möchte es, aber die Politik usw.,
das sind ja noch andere Dinge, die kann sich auch sehr schnell wieder in eine Landwirtschaft umwandeln,
die wir als eine positive, lebenswerte Landwirtschaft bezeichnen
– also vielfältig usw.
Und da spielt die Bäuerin, der Bauer, eine große Rolle,
weil die sind es im Endeffekt,
die es machen. Also ein Hof, der intakt ist, der auch in der Kreislaufwirtschaft ist, ist ein sehr artenreicher Hof. Der baut Humus auf usw. –
CO2 wird gespeichert,
also es ist dann sogar ein klimasenkender Hof. Der Bauernverband spielt sicher eine große Rolle, der ein Stück weit auch diesen Opfermythos auch immer wieder befüllt. Also immer wieder sagt, wir machen doch eigentlich das, wir machen euch satt usw. und die Gesellschaft behandelt uns nicht gut, bricht noch bei uns in die Ställe ein und filmt noch,
also da wird immer diese Polarität aufrecht erhalten und dieser Opfermythos, wird auch immer wiederholt, und das ist sicherlich nicht förderlich. Das Denken, dass wir Landwirtschaft betreiben können oder dann auch Lebensmittel verarbeiten und konsumieren, in einer umweltverträglichen Art, ist gut möglich, auch in unserer hochspezialisierten Gesellschaft. Das ist, glaube ich, mit der wichtigste Punkt, um überhaupt dann los zu gehen und sagen:
“Ja wir ändern es auch!” Und es ist sehr schön, wenn man entdeckt, aha, so ist es und so könnte man es auch ändern oder so kann man es ändern. Denn das ist ziemlich klar, nach dem Ende meines Buches, und das ist auch ein großes Glück, wenn man es dann geschrieben hat, es gibt wirklich gute Wege, dass wir uns gut ernähren, also gut zu uns sind und auch gut zu unserem Planeten.

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