Artischocken in Mittelfranken | Unser Land | BR Fernsehen
Articles,  Blog

Artischocken in Mittelfranken | Unser Land | BR Fernsehen


Salat, Schnittlauch,
Kraut und Fenchel: Gemüse so weit das Auge reicht. Doch wer als Gärtner
mit der Konkurrenz mithalten will, muss immer wieder Nischen finden und dem Verbraucher
etwas Besonderes bieten. Danach sucht Horst Quergfelder, Bauer im Knoblauchsland bei Nürnberg,
immer wieder. Er hat auf seinem Feld
ganz besondere Disteln angebaut: Essbare, Artischocken. 2002 bin ich draufgekommen, durch die “Franken-Gemüse”,
unsere Absatzgenossenschaft, dass man die Knospen verkaufen kann,
die noch geschlossen sind. Aber die italienischen
sind doch größer, drum ist der Absatz
schwierig gewesen. Dann hat mich eine Bäuerin
auf dem Großmarkt angesprochen, ich soll die aufblühen lassen,
dann kann sie die Blüten verkaufen. Auch wenn Gourmets nicht
für das Gemüse zu gewinnen waren, Ästheten sind
von den Blüten beeindruckt. Mit den Anbaubedingungen
in der Region kommen die Artischocken gut klar. An den Boden haben sie
keinen besonderen Anspruch. Es sollte ein schwerer Boden sein,
weil es ein Distelgewächs ist, damit es höher rauswächst. Sonst braucht es nicht viel Wasser,
bloß zum Anpflanzen. Unkraut ist das größte Problem,
drum haben wir da eine Mulchfolie. Aber gegen Läuse oder Krankheiten
machen wir gar nichts. Die lassen wir so wachsen,
wie es ist. Viel Arbeit hat Horst Quergfelder das
Jahr über mit dieser Kultur nicht. Chemische Pflanzenschutzmittel
braucht er keine. Nur im Frühjahr,
nachdem er sie angepflanzt hatte, hat er die Pflanzen
mit etwas Dünger versorgt. Doch ganz ohne Probleme
wachsen auch solche Disteln nicht. Das Hauptproblem ist der Frost. Das Überwintern
hat ganz gut geklappt, aber im Februar ist ein Kahlfrost
gekommen, 12° Kälte, dann waren alle kaputt. Seitdem mach ich sie
wieder jährlich im Anbau. Ich säe sie im Treibhaus an,
Ende Februar, Anfang März
werden sie dann getopft und Mitte April
werden sie dann rausgepflanzt. In ihren Hauptanbaugebieten,
Italien und Frankreich, können die Artischocken
draußen überwintern. Deshalb werden sie dort
auch höher und größer. Winterharte Sorten gibt es nicht. Und wie vermarktet er
seine Ernte jetzt? Die kriegt mein Berufskollege
und nimmt die mit auf den Großmarkt. Der verkauft’s für einen Euro
und ich krieg 70, 80 Cent. Über den Nürnberger Großmarkt gelangen die Blüten dann auf
Wochenmärkte und in den Blumenhandel, wo sie zur Dekoration
verkauft werden. Dass die exotischen Blüten
quasi vor der Haustür wachsen, erstaunt dort selbst die Floristin. Ich wusste gar nicht, dass wir die
regional so beziehen können. Ich kauf die
hauptsächlich aus Holland. Da haben die einen längeren Stiel. Aber für das, wofür wir sie nutzen,
sind die optimal. Die sind wunderschön,
weil die so toll blühen. Die holländischen
sind meistens grün, und das Blühende
kommt dann irgendwann raus. Aber so prachtvolle hab ich
bislang fast nicht gehabt. Artischocken behalten ihre Farbe
auch dann, wenn sie vertrocknen. Ein solcher Strauß bleibt deshalb
sogar als Trockenstrauß noch schön. Die Knospen der Artischocken
sind nicht weniger attraktiv, meint Monika Quergfelder. Auch wenn die heimischen kleiner sind
als die aus dem Süden, als Gemüse kann ihr Inneres
geschmacklich durchaus mithalten. Nachdem sie die harten
äußeren Blätter entfernt hat, kocht sie die Knospen in einem
würzigen Sud aus Zwiebeln, Weißwein mit Rosmarin und Pfefferkörnern. Wir lassen die jetzt
ca. 25 bis 30 Minuten kochen. Und dann schauen wir rein, ob die
Blätter schon von selber abgehen. Darüber gibt sie eine Vinaigrette mit
Knoblauch und Thymian, dazu Tomaten. Fertig ist eine schnelle
und gesunde Vorspeise. Von den Hüllblättern ist nur das
fleischige untere Ende der Blätter. Im Inneren befinden sich noch
das sog. Heu und der Blütenboden. Das ist jetzt das Heu,
das kann man nicht essen. Eine Delikatesse dagegen
ist der Blütenboden. Und hier ist der Blütenboden. Horst Quergfelder wird auch im nächsten Jahr
wieder Artischocken anbauen. Der Klimawandel
könnte dieser Kultur vielleicht in Zukunft
noch entgegenkommen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *